Vorwort Manni Breuckmann

Vorwort-Autor Manfred „Manni“ Breuckmann, Jahrgang 1951, schreibt selbst Bücher (neues Werk: "50 legendäre Szenen des deutschen Fußballs", September 2009) und moderiert Veranstaltungen, wurde aber vor allem durch seine Fußballreportagen im Radio bekannt; dort war er von 1972 bis Ende 2008 im Stadion-Einsatz.

 

"Die Wahrscheinlichkeit, sich einen Hirntumor einzufangen, ist nicht besonders hoch: In den westlichen Industriestaaten geht es um einen von zehntausend Menschen. Umso größer ist die Verzweiflung bei denen, die mit dieser niederschmetternden Diagnose die Arztpraxen verlassen. Denn Hirntumor ist in der öffentlichen Wahrnehmung fast gleichbedeutend mit Todesurteil. Mein Kollege André Niekamp bekam von einem Röntgenologen die Auskunft:„Da ist etwas in Ihrem Kopf, was da nicht  hingehört.“ Und schon ging sie los, die Berg- und Talfahrt zwischen Angst, Hoffnung und aufkommender Hoffnungslosigkeit, die Kämpfe mit der Krankenkassen-Bürokratie, der Dauer-Kontakt  mit Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten, tragischerweise auch in der Klinik, in der sein bester Freund den Weg ins Jenseits begonnen hat – auch mit einem Hirntumor.

 

Die plötzlich ganz anderen Begegnungen mit der Freundin, mit den Freunden und Verwandten, die alle die schwierige Aufgabe meistern mussten, sich der bedrohlichen Situation zu stellen, ohne zu verkrampfen oder der Versuchung zu erliegen, sich zurückzuziehen.

 

 

André hat am Ende Glück gehabt, er kann jetzt „wieder selbst alle Ampeln meines Lebens schalten, und wenn ich will, auch auf Grün – Hirntumor sei Dank!“

 

Und er hat Dinge gelernt, die auch sein krankheitsfreies Dasein bereichern können: endlose Spaziergänge mit russischen Schlittenhunden über eine Nordsee-Insel zum Beispiel, die nur in seinem Kopf stattfinden und Teil von Tiefen-Entspannung sind.

 

Auch deshalb entpuppt der beim ersten Hingucken merkwürdige ‚Dank’ an seinen Tumor bei der Lektüre des Erlebnisberichts als konsequent und richtig. Denn der Journalist mit dem Tumor hat durch die Erkrankung einen wertvollen anderen Blick auf seine Existenz gewonnen, Prioritäten sind verschoben worden, neue, wichtige Menschen traten in sein Leben.

Für mich war die Lektüre von Andrés Buch  aus  zwei Gründen eine Bereicherung:  Ich bekam ‚aus erster Hand’ eine umfangreiche Beschreibung über die tiefgreifenden inneren und äußeren Veränderungen des Lebens, wenn das Urteil ‚Krebs’ gesprochen  wird.

 

Denn ganz anders als in der vom Krebs-Tabu bestimmten Phantasie liegt der Kranke eben nicht von der Diagnose an wimmernd, klagend und voller Todesangst im Bett. Das Leben mit seinen Alltäglichkeiten geht ja irgendwie weiter, vieles läuft wesentlich banaler ab als wir uns das Leben mit der Volkskrankheit Krebs vorstellen.

Das Buch hat auch meine Idee verstärkt, irgendwo in mir drin ein Eckchen freizuhalten für den Tag, an dem mich vielleicht auch die Diagnose einer schweren Krankheit erreicht. Vielleicht erwischt es mich dann nicht so fundamental, wer weiß?

 

Ich lade Sie, liebe Leserinnen und Leser, gerne ein, sich mit dem Autor auf die Reise zwischen Verzweiflung und neuem Lebensmut zu begeben und vielleicht ein wenig Gewinn für die eigenen Zukunft daraus zu ziehen.

Und André selbst wünsche ich, dass er von weiteren gesundheitlichen Tiefschlägen verschont bleiben möge, natürlich aber auch, dass seine geliebte Arminia irgendwann mal den Fahrstuhl zwischen erster und zweiter Liga verlässt und sich auf Dauer in der höchsten Spielklasse etabliert.

 

Aber bis dahin müssen wahrscheinlich noch viele Schlittenhunde über sehr viele Nordsee-Inseln laufen …"